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Interview
THOMAS KRESS

Winzer Thomas KressHerr Kress, für diejenigen die Ihr Weingut in Hagnau am Bodensee noch nicht kennen. Erzählen Sie uns ein wenig über sich und Ihren Betrieb.

Wir haben uns Ende der Neunziger vom Winzerverein Hagnau abgespaltet und starteten 1999 mit der der Eigenvermarktung. Wir begannen mit einer Produktion von lediglich 4500 Flaschen. Im Sommer 2002 stellten wir unsere neuen Kellerräume fertig. Mittlerweile bewirtschaften wir 6 Hektar Weinberge, die im aktuellen Jahrgang (2003) 40 000 Liter Most lieferten. Aufgeteilt sind die Weinberge in 3 ha Spätburgunder, 1,5 ha Müller Thurgau und 1,5 ha die mit Grauburgunder, Weißburgunder und Auxerrois bestockt sind.“

Der hochgejubelte Jahrgang 2003 liegt in den Tanks im Keller. Konnte er, soweit man es bis jetzt beurteilen kann, den Anforderungen eines Jahrhundertjahrgangs, wie wir es oft lesen konnten, gerecht?

„Prinzipiell werden die Beurteilungen über einen Jahrgang viel zu früh veröffentlicht. Auch jetzt, Anfang November, ist es noch zu früh um Genaues zu sagen. Von einem Jahrhundertjahrgang möchte ich nicht sprechen, aber wir können wunderbar duftige Weine mit einer feinen, sortentypischen Aromatik erwarten. Bei meinen Weinen bin ich positiv überrascht wie verspielt und zart sie sich trotz des relativ hohen Alkoholgehalts präsentieren. Es kommt eben stets auf das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten an.“

Wo genau lag die Problematik im heißen und trockenen Jahr 2003?

„Wir hatten ein wenig Sorgen mit der niedrigen Säurewerten in den Trauben. Je höher der Zuckergehalt in den Trauben, und dieser war im Herbst 2003 enorm hoch, desto problematischer kann es mit der Säure werden. Und Wein braucht eben auch die nötige Weinsäure um Finesse, Frische und Struktur zu präsentieren. Natürlich hängt auch das zu erwartende Lagerpotenzial zusammen.“

Welche Stärken und Schwächen werden die Weine, speziell am Bodensee, aufweisen?

„Die trockenen Weine am Bodensee, die eigentlich für Ihre leichte, zugängliche Art bekannt sind, werden wohl hohe Alkoholwerte aufweisen. Denn viele Trauben wurden jenseits der 100 Öchsle -Marke gelesen. Wie schon erwähnt wird es wohl feingliedrige, fruchtige Weine mit einem nicht ganz so langem Lagerpotenzial geben.“

Ihr Weingut ist ein noch junger Betrieb in Sachen Selbstvermarktung. Wo sehen Sie Ihre Chance in den nächsten Jahren und wie glauben Sie geht die Entwicklung in Sachen Qualitätsweine in der momentan wirtschaftlich schwierigen Lage voran?

„Wir möchten ganz gezielt Weinkenner und Genießer mit unseren Weinen ansprechen. Mit diesem Ziel haben wir begonnen und diese Philosophie möchten wir fortsetzen. Die Weine aus unserem Gut sollen einen individuellen Charakter aufweisen und eine überdurchschnittliche Qualität. Wenn wir dies Jahr für Jahr hin bekommen, lohnt sich auch die aufwendige und qualitätsbewußte Arbeit das ganz Jahr über.“

Das Thema Wein und Essen ist auch bei Ihnen stets ein Thema. Auf was kommt es Ihrer Meinung bei der Kombination von guten Weinen und guten Speisen besonders an?

„Richtig, gutes Essen und guter Wein gehört für uns täglich dazu. Auch wenn manchmal die nötige Zeit fehlt um groß aufzukochen, versuchen für stets frische und regionale Zutaten zu verwenden. Wein und Essen muss sich ergänzen und sich eventuell auch gegenseitig steigern. Was gibt’s beispielsweise Schöneres als einen guten, gebeizten Lachs mit einem Glas trockenen Müller Thurgau!“

Sie sind stets auch an Produkten Ihrer Winzerkollegen im In- und Ausland interessiert. Haben Sie hier einen Stil oder einen bestimmten Wein den Sie sich gerne als Vorbild nehmen?

„Tatsächlich habe ich im Weißweinbereich jemanden, mit dem ich mich hin und wieder austausche. Horst Sauer aus Escherndorf ist ein Winzerkollege den ich sehr schätze. Er schafft es wie kaum ein Zweiter, Weine von enormer Klarheit zu produzieren. Seine Weine sind vom einfachen „Müller“ bis zur Trockenbeerenauslese enorm facettenreich und fein strukturiert. Bei den Rotweinen strebe ich an, körperreiche Rotweine mit markant würziger Art, ohne die nötige Harmonie und Eleganz aus den Augen zu verlieren.“

Moderne Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Merlot oder Cabernet Sauvignon werden immer häufiger in Deutschland angebaut. Wie stehen Sie dazu, gerade wenn am Bodensee mit Sauvignon Blanc oder auch dem Riesling experimentiert wird. Sehen Sie für diese Sorten in Ihrer Region eine Chance?

„Ich schätze, dass sich die modernen Rebsorten nicht langfristig durchsetzen werden. Mir kommen die Produkte oft als „Klimmzug-Weine“ vor. Doch meiner Meinung muss man nicht um jeden Preis am See mit modernen Rebsorten experimentieren. Der Traditionsgedanke sollte wieder etwas mehr im Vordergrund stehen.“

Auf Ihrem Weingut konzentriert man sich ausschließlich auf die Burgunder-Sorten und den Müller Thurgau. Welche qualitativen Möglichkeiten sehen Sie damit am Bodensee und welche Stilistik der Weine verfolgen Sie die nächsten Jahre?

„Das große Ziel ist es, langfristig vielschichtige Weine mit viele Sortencharakter zu produzieren. Natürlich versucht man immer das optimale herauszuholen. Doch letztendlich sind wir Winzer immer sehr von der Natur und dem Wetter abhängig. So wird es immer differenzierte Weine geben, und das ist auch gut so!“

Immer häufiger findet man  Winzer, auch in Deutschland, die im kleinsten Stil so genannte „Garagen-Weine“ produzieren und für zum Teil utopische Preise dafür verlangen. Können Sie so eine Preispolitik nachvollziehen? Irgendwo scheint doch auch beim Kunden eine Schmerzgrenze erreicht, oder etwa nicht?

„Die Entscheidung liegt bei jedem Weintrinker selbst, wieviel er für eine Flasche Wein ausgeben kann und möchte. Solange auf dem Markt die Nachfrage nach diesen Weinen vorhanden ist und die Preise bezahlt werden habe ich kein Problem damit. Prinzipiell sollte allerdings schon noch ein Preis-Leistungverhältnis vorhanden sein.““

Herzlichen Dank für das Gespräch