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Interview PHILIPP KUHN
Herr Kuhn, erzählen Sie uns ein wenig über sich und Ihren Betrieb. Wie groß sind die bewirtschaftenden Rebflächen, wo liegen die Schwerpunkte bzw. Ihre Ziele in der Zukunft?
Ich bewirtschafte derzeit rund 13 Hektar Reben. Die Hälfte der Flächen ist mit roten Sorten bestockt. Neben dem Spätburgunder sind Cabernet Sauvignon, St. Laurent, Blaufränkisch, Merlot,
Frühburgunder und Dornfelder im Anbau. Im Weißweinbereich konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Riesling und die weißen Burgundersorten, die durch Sauvignon Blanc, Gewürztraminer oder
auch Viognier (erstmalig in Deutschland) ergänzt werden. Mein Ziel ist es bereits im Weinberg die Grundlage für meine Weine zu schaffen, um so vom Gutswein bis zum Topgewächs
überdurchschnittliche Weine zu vinifizieren. Zu meiner Person: Nach dem Abitur und meiner Ausbildung wollte ich, auch aufgrund des
fortgeschrittenen Alters meines Vaters, schon sehr früh Verantwortung im Weingut übernehmen. Mit knapp 20 Jahren stellte ich Anfang der neunziger Jahre meinen ersten „eignen“ Wein vor.
Bei der Verkostung Ihrer Weine war für mich besonders die Konsequenz beeindruckend, mit der
Sie sowohl im Burgunderbereich aber auch mit der edlen Rebsorte Riesling faszinierende Ergebnisse liefern. Ist die Vielfalt die große Stärke der Pfalz?
In der Pfalz haben wir eine Vielzahl verschiedener, idealer Böden für den Weinbau. Von Kalkstein, Kies und sandigem Lösslehm, wie bei uns in Laumersheim, bis hin zu Buntsandstein, Basalt und
Terrassenschiefer. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das fast mediterrane Klima der Pfalz, welches sogar die Cabernet Sauvignon-Rebe zu beachtlichen Weinen reifen lässt.
Der qualitätsorientierte Konsument möchte heute wieder individuelle Weine mit Charakter. Mit welchen Maßnahmen schaffen Sie es Ihren Weinen eine eigene Handschrift zu verleihen?
Verwendung von bestem Traubenmaterial aus geringen Erträgen, das heißt: 100% Ernte von Hand ist die absolute Grundvoraussetzung für großartige Weine. Dazu eine schonende
Verarbeitung und nur das Notwendigste in der Kellerarbeit. Dies ist die Basis. Der individuelle Geschmack ist der Effekt aus dem perfekten Verhalten eines Kellermeisters im Zusammenwirken des Terroirs.
Sie haben vor allem mit Ihren Rotweinen bei diversen Verkostungen exzellent abgeschnitten. In
diesem Jahr sogar gleich zwei Vinum-Rotweinpreise abgesahnt. Kam für Sie der Erfolg überraschend oder merkt man schon im Keller, daß aus gewissen Partien etwas ganz Besonderes werden kann?
Auf einen Preis kann man nicht hinarbeiten. Die Überraschung wird immer groß sein, das ist neben den angenehmen wirtschaftlichen Aspekten die schöne psychologische Nebenwirkung. Man
hat sicher seine Kellerlieblinge und Favoriten und kann dementsprechend Prognosen stellen, aber ob die bei Wettbewerben die Nase vorne haben, das sei dahingestellt. Die Geschmäcker sind halt nicht gleich.
Mir ist stets die Kombinationsmöglichkeit von Wein und Essen sehr wichtig. Pflücken Sie sich einen
Wein aus Ihren Sortiment heraus und empfehlen Sie uns bitte ein Gericht dazu, das sich nachzukochen lohnt!
Nehmen wir z.B. den 2003er Gewürztraminer & Riesling trocken: Dabei handelt es sich um eine traditionelle Pfälzer Weißwein-Cuvée. Er duftet dezent nach Rosenblüte und Muskat, präsentiert
sich voluminös aber trotzdem finessenreich. Beide Rebsorten ergänzen sich ideal. Der Traminer sorgt für Duft und Opulenz, der Riesling für Eleganz und Frische. Dieser Eindruck wird durch
einen zarten Schmelz Fruchtsüße intensiviert. Der Wein ist an sich sehr vielseitig einsetzbar. Zu leichten Vorspeisen z.B. Terrinen oder Salate,
Fischgerichte in allen Versionen oder Geflügelgerichten. Schon kein Insider-Tipp mehr, eher ein Klassiker: Gewürztraminer zu asiatischem, pikantem, süß-saurem oder feurigem Essen. Aber
auch zur deftigen Küche, zu Tapas oder zum Sologenießen bestens geeignet.
Die Basis-Qualitäten Ihres Sortiments verschließen Sie derzeit mit Kunststoffkorken. Wie ist Ihre
Meinung zu der zukünftigen Entwicklung in Sachen Wein-Verschlüsse? Welche Alternative wird das Rennen machen?
Wir sind bei den Weinen, die schnell verzehrt werden, sprich: einfache Weiß- und Roséweine, mit dem Kunststoffstopfen sehr zufrieden. Allerdings muss deren Gasdichtigkeit noch verbessert
werden. Bei hochwertigen Weinen wird im Moment nur der Naturkork akzeptiert. Die Schraube wird immer mit minderwertigen Weinen in Verbindung gebracht. Die Gründe sind rein
psychologisch. Der Verschluss, der die meiste Akzeptanz beim Verbraucher hat wird das Rennen machen!
Die meisten Winzer haben Vorbilder bzw. Menschen, die einen beruflich geprägt haben. Verraten
Sie uns Ihre?
Das Vorbild ist ganz klar im eigenen Dorf zu finden: Werner Knipser! Er war und ist Leitbild einer
ganzen Generation. Er hat dem deutschen Weinbau wieder Leben eingehaucht. Ein Idealist, der alles gibt um den Deutschen Wein das Image zu verleihen, das er verdient hat. Werner Knipser
war der Pionier, der den Rotwein in Deutschland salonfähig machte. Mitten in der schwärzesten Phase des Deutschen Weinbaus und das in einem wenig bekannten Ort, gelang es ihm Weine von
internationalem hohen Format zu erzeugen, die maßgeblich dazu beitrugen Deutschen Wein wieder zu schätzen und zu lieben.
Sie haben mit Sicherheit die Möglichkeit öfter Weine von internationalen Kollegen zu verkosten.
Welcher Wein hat Sie zuletzt am meisten begeistert?
Zwei Weine bleiben mir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung:
2002er Forster Kirchenstück Riesling trocken vom Weingut Georg Mosbacher aus der Pfalz sowie der,1999er Cabernet Sauvignon von Alto aus Süd-Africa
Herr Kuhn, vielen Dank für das nette Gespräch!
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