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Interview NATALIE LUMPP
Frau Lumpp, ich muss bei Gesprächen mit Kunden immer wieder feststellen, dass die Lust zum Essen zu gehen immer mehr gehemmt
wird, da oft das Preis-Leistungs-Verhältnis fehlt. Viele Wirte setzen einem nur noch Tiefkühlware vor. Sie selbst haben lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet. Wie sehen Sie die aktuelle Situation der
regional, bodenständigen Gastronomie?
Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Zeit ist für die Gastronomie sehr schwer, weil bei eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten
gerne am Ausgehen gespart wird. Das Ergebnis sind zunehmende Insolvenzen in der Gastronomie. Andererseits werden aber die guten Restaurants bestimmt auch profitieren.
Ich sehe aber auch eine positive Seite. Und zwar, dass die Leute wieder öfter den Weg an den
eigenen Herd finden. Wie geht es Ihnen da. Im Restaurant verwöhnen lassen oder selbst kochen?
Ich habe das große Glück, dass mein Mann jeden Abend mit mir gemeinsam kocht. Dabei haben
wir viel Spaß und wir können vom Tag erzählen. Unser Speiseplan richtet sich meist nach den Produkten, die frisch angeboten werden. An Wochenenden kaufen wir gerne im benachbarten
Elsass ein und kochen dann etwas aufwendiger. Öfters laden wir dazu Freunde ein, und genießen so unsere besonderen Weine.
Ich versuche stets meinen Kunden klarzumachen, dass oft das Einfache und Bodenständige das
Bessere ist. Es muss nicht immer teuer und exklusiv sein. Ein Stück guten Käse, ein Glas guten Wein, raus in die Natur – was will man mehr. Wo liegt bei Ihnen der Reiz des Einfachen?
„Weniger ist mehr“ trifft einfach auf vieles zu. Man sollte allerdings nicht an der Qualität sparen.
Mich freut es besonders, dass in letzter Zeit wieder die deutschen Weine stark gefragt sind. In
unserer Region fragen die Weintrinker wieder öfter nach frischen Weißweinen vom Bodensee oder einem ausdrucksstarken Spätburgunder vom Kaiserstuhl. Wo sehen Sie den Grund dafür, dass auf
einmal deutscher Wein für den Verbraucher wieder interessanter geworden ist?
Das ist auf die enorme Qualitätsverbesserung zurückzuführen, die in Deutschland zu beobachten
ist. Mir geht es auch so: wenn ein deutscher Wein gut ist, unterstütze ich das mit Freuden!
Anderes Thema – momentan wird in der Weinszene Deutschlands viel über die neuen
oenologischen Verfahren diskutiert, die mittlerweile legalisiert wurden. Dabei geht es hauptsächlich über die „künstliche Konzentration“ des Traubenmostes per Vakuumverdampfung
oder Umkehrosmose. Die Meinungen gehen bei Gesprächen mit Winzern über dieses heikle Thema sehr weit auseinander. Wo sehen Sie eine Chance für diese Techniken und vor allem wo die Gefahren?
Ich möchte mit Letzterem beginnen. Die Gefahr ist, dass die Weine zu sehr zu Kunstprodukten
mutieren. Darunter verstehe ich, wenn der Wein konzentriert wird, mit genmanipulierten Hefen hergestellt, entalkoholisiert wird, etc... Das ist wahrlich nicht meine Vorstellung von Wein. Bei
Rotweinen halte ich es jedoch für sehr sinnvoll, in einem verregnetem Herbst das Wasser zu entziehen ( Weißweine werden oftmals zu plump durch Konzentration ). In anderen Regionen, wie
beispielsweise Bordeaux oder Piemont ist das Gang und Gebe – nur spricht man nicht soviel darüber.
Außerdem haben sich in diesem Jahr 13 Betriebe in den Anbaugebieten Württemberg und Baden
finden lassen, die im Versuch Eichenholzchips bei Ihren Weinen einsetzen werden. In meinen Augen ebenfalls der Startschuss für die Legalisierung dieser Methode, bei der quasi billiges
Abfallholz, das bei der Fassproduktion anfällt, zu Geld gemacht wird. Klar, dass viele Winzer auf den Zug aufspringen. Doch was mich erschrocken hat, ist, dass so namhafte Betriebe wie Gerhard
Aldinger oder die WG Augen hier mitziehen. Wie ist Ihre Einstellung zu der „Industrialisierung der Weine“?
Das sehe ich ehrlich gesagt ganz anders! Weit über 90 % der deutschen Konsumenten geben für
eine Flasche Wein nicht mehr als 5.- € aus. Warum sollen diese Verbraucher immer nur ausländische Weine konsumieren? Wenn der Wein mit Eichenchips dem Verbraucher gut
schmeckt und dabei natürlich auch noch günstig im Preis ist, können doch alle zufrieden sein. Wenn wir in der Zukunft uns auch um diese „normalen Verbraucher“ kümmern, werden sie
vielleicht auch einmal bereit sein, mehr Geld für eine Flasche Wein „im Barrique gereift“ auszugeben.
Ein anderes großes Thema sind die Verschlußsysteme für Weinflaschen. Aus Erfahrung kann ich
aus dem Fachhandel sagen, dass die Kunden bei frischen, leichten Weinen die relativ jung getrunken werden, überhaupt kein Problem mit Kunststoffkorken haben. Im Gegenteil, viel
begrüßen sogar die Umstellung vieler Winzer. Welcher Verschluss wird sich Ihrer Ansicht in den nächsten Jahren auf dem Markt durchsetzen?
Meiner Meinung nach verlieren die Weine mit Kunststoffkorken sehr schnell von ihrer Frische. Ich
wäre dafür, die Verbraucher über die Knappheit der Korken besser aufzuklären. Dann würde ich alle Weine die jung getrunken werden mit Drehverschlüssen oder Stahlkronkorken ausstatten.
Aber wieder zu den angenehmeren Weinthemen ! Der Sommer steht bevor und es steigt wieder
die Lust auf unkomplizierte, frische und fruchtbetonte Weine. Was sind Ihre Favoriten in diesem Sommer, speziell aus Deutschland?
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Rieslingfan bin. Die Rieslinge schmecken vor allem im
Sommer sehr gut, weil sie so herrlich erfrischend sind und die Säfte im Mund anregen. Als idealen Sommerwein kann ich aber auch viele gut gemachte Müller-Thurgau / Rivaner empfehlen
. Die sind immer leicht, knackig und unkompliziert – und bezahlbar!.
Vielleicht noch ein allgemeiner Tipp für den Weingenuß an meine Kunden?
Lassen Sie sich beim Weingenuss nicht irritieren durch die kontroversen Diskussionen von so
genannten Weinkennern. Gehen Sie lieber vorbehaltlos Ihrem persönlichem Geschmack und Ihren Vorlieben nach. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie beurteilen, ob Ihnen der Wein schmeckt oder nicht schmeckt.
Frau Lumpp, ich bedanke mich recht herzlich für das nette Gespräch und Wünsche Ihnen einen
schönen und vor allem genussvollen Sommer !
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