Nanna Eissler
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Interview
Nanna und Ulrich Eißler
Weingut Steinbachhof

Euer kleines Weingut macht sich so langsam einen guten Namen. Ihr konzentriert Euch in erster Linie im Rotweinbereich auf den Lemberger und bei den Weißweinen auf die Rebsorte Riesling. Was schätzt Ihr gerade an diesen beiden Sorten und was machen sie für Euch so interessant?

Beide Sorten werden seit Jahrhunderten in Württemberg angebaut und erfreuen sich großer Beliebtheit. Viel wichtiger ist aber, dass Riesling und Lemberger über ein hohes Qualitätspotential verfügen. Wie der Spätburgunder der bei uns zunehmend an Bedeutung gewinnt, repräsentieren sie einen Weintypus der die kühleren Weinbauregionen der Welt in ihrer Charakteristik  bestens darstellt. Für uns sind daher Cabernet Sauvignon und ähnliche Sorten im Moment kein Thema. Der Riesling gerät aufgrund der Bodenbeschaffenheit und des Ausbaustils bei uns immer etwas rustikaler.  Die prägnante Säure und dezente Fruchtaromen mit leichter Mineralik prägen die Rieslinge. Der Lemberger verbindet fruchtige Komponenten wie Sauer  Süßkirsch und Johannisbeeraromen mit würzigen Noten von Nelke und anderen Kräutern. Lemberger schafft die Verbindung von intensiver Aromatik, kräftigem Körper und dabei feiner Eleganz.

Bei meinem letzten Besuch auf dem Steinbachhof habe ich gemerkt, dass Ihr im Prinzip ganz genau wisst was und wen Ihr mit Euren Weinen erreichen möchtet. Schildert doch bitte kurz, wie Eure Philosophie in Sachen Weinbau aussieht?

Nanna und ich wollen Weine produzieren die wir auch selbst gerne trinken. Im Weinberg bedeutet dies penible Arbeit bei allen Arbeitsschritten bis zur Lese.

Beim Ausbau der Weine legen wir Wert darauf möglichst ganz ohne Weinbehandlunsmittel auszukommen und die Weine möglichst wenig zu bewegen. Das setzt natürlich beste Trauben und scharfe Selektion bei der Lese voraus. Vielleicht noch wichtiger ist das Bewusstsein und die Freude daran sich auf qualitativ hochwertige Weine zu konzentrieren denn wirtschaftlich gesehen sind unsere niedrigen Erträge und die aufwändige Handarbeit kurz und mittelfristig nicht zu rechtfertigen. Es ist aber ein besonderes Gefühl wenn Menschen mit unserem Wein in Kontakt kommen und dabei nicht immer den Eindruck haben den ultimativen Wein zu genießen aber die Eigenheit unserer Weine zu schätzen.

Zu einem ganz aktuellen Thema: Wie steht Ihr dem Abkommen der EU und der USA entgegen, das Ende Dezember verabschiedet worden ist? Seht Ihr eine große Gefahr für den europäischen Weinbau oder vielleicht sogar eine weitere Chance, gerade für kleine qualitätsorientierte Betriebe?

Die Probleme entstehen wohl hauptsächlich im Supermarkt wo durch spinning con und andere Verfahren intensiv in der Aromatik veränderte Weine der“ Neuen Welt“ mit insbesondere europäischen Weinen anonym konkurrieren. Allerdings scheint es mir eine Frage der Zeit bis solche Verfahren auch bei uns zugelassen sind. Die Verwendung von Eichenholzchips wird ja in den nächsten Monaten legal und damit ist ein weiterer Damm, von traditionellen europäischen Werten in der Weinbereitung gebrochen. Für Kleinbetriebe wie uns sehe ich diese Entwicklung nicht so dramatisch. Unser Vorteil ist die Nähe zu unseren Privat, Gastronomie und Fachhandelskunden denen wir die Andersartigkeit und Vielfalt unserer Weine darstellen können und die diese auch schätzen.

Derzeit verschließt Ihr Eure Gesamtproduktion mit Naturkorken. Gibt es für Euch derzeit eine Alternative?

Der Korkmarkt ist vor allem durch die Verwendung alternativer Verschlüsse bei  Standardweinen eingebrochen.  Die Korkqualität ist durch die entspannte Marktlage inzwischen so, dass wir mit der Korkschmeckerrate sehr gut leben können. Wir warten die mittelfristigen Ergebnisse der Dichtigkeit und Geschmacksneutralität bei Alternativverschlüssen ab bevor wir daran denken umzusteigen.

Das Anbaugebiet Württemberg hat leider immer noch bei vielen Weintrinkern das Image von „Haberschlachter & Co.“. Obwohl die Region mittlerweile weitaus mehr zu bieten hat, greifen viele Konsumenten zu Weinen aus dem Ausland. Wie schafft Ihr es Weintrinker von den Vorzügen des Anbaugebietes Württemberg zu überzeugen?

Die Schwaben um Stuttgart und die schon fränkischen Heilbronner sind ein sehr patriotisches Volk das jahrzehntelang auch die bescheidensten württembergischen Schoppen klaglos genossen hat. Das hat sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren durch den zunehmenden Marktdruck dramatisch verändert.  Um Weine erfolgreich, zu vernünftigen Preisen, vermarkten zu können sind überdurchschnittliche Qualitäten ein Muss. Diese Qualität den Kunden gegenüber zu kommunizieren ist die andere Seite um dieses bescheidene Image zu verbessern. Durch die jüngsten Erfolge württembergischer Weine bei diversen Verkostungen bahnt sich eine positive Entwicklung an die wir natürlich nutzen wollen.

Die Rebsorte Sauvignon Blanc scheint derzeit in aller Munde zu sein. Auch aus Württemberg kommen ein paar der besten deutschen Exemplare. Ist diese Rebsorte für den Steinbachhof interessant?

Im Moment nein. So interessant diese Sorte ist so ist sie doch Synonym für internationalen Modewein. Mit Riesling, Weißburgunder etc. verfügen wir über ein Weißwein Sorten Spektrum das interessant genug ist um mindestens eine oder wahrscheinlich mehrere Generation an deren Perfektionierung im An – und Ausbau zu arbeiten.

Ich persönlich befasse mich recht intensiv mit interessanten Kombinationen von Wein und Essen. Was kocht Ihr zu Euren Weinen am liebsten?

Besonders gerne zu unseren Weißweinen und weiß gekelterten Weißherbsten mögen wir Langusten und andere Meerestiere und frische Fische.
Zu unseren Roten haben wir glücklicherweise oft die Gelegenheit Wild(eigenes Damtierfleisch oder Wildschwein und Reh) zu kochen, aus eigener Zucht und/ oder unseren umliegenden Wäldern.

Mit Sicherheit verkostet Ihr auch viele Weine von Winzer-Kollegen aus dem In- und Ausland. Welche Weine sind Euch bis heute in Erinnerung geblieben? Habt Ihr Vorbilder in der Weinbranche?

Viele Weine verkosten wir sicherlich nicht. Im Gegensatz zu Dir, da Du dir einen Überblick über die Qualität verschiedener Weinbaugebiete-Winzer verschaffen musst gilt es für uns einen Weg zu gehen der natürlich mit einschließt gelegentlich Inspiration anderer Winzerweine aufzunehmen dabei aber unsere eigene Zielsetzung weiterzuverfolgen. Zu viel Ablenkung scheint mir nicht dienlich für einen eigenen Stil, wohl aber der Genuss weniger Weine die mir Möglichkeiten zur Orientierung und Weiterentwicklung geben. Vorbilder hab ich nicht direkt aber Menschen die meine Begeisterung für Wein geweckt haben als da wären die österreichische Winzerpersönlichkeiten Josef Jamek, Emmerich Knoll und die faszinierenden Weine der Familie Gesellmann. Weiterhin der charismatische Graf Matuschka von Greiffenklau dessen Botschaft von Wein mich vor allem emotional sensibilisiert hat.

Noch ein Blick in die Zukunft: Was strebt Ihr für Ziele in den nächsten Jahren an?

Zuallererst Glück und Zufriedenheit zwischen uns und unseren Kindern. Du wirst dich fragen was das in deinem Interview zu suchen hat aber es ist wohl eine wesentliche Voraussetzung in einem kleinem Unternehmen um sich auch beruflich  fortzuentwickeln. Bei den Zielen bin ich mir noch gar nicht so sicher aber wir orientieren uns qualitativ klar an den sehr guten Erzeugern im Ländle und wie weit uns das führen wird darüber reden wir in ein paar Jahren ?!

Herzlichen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg!