Josef Michel
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Interview
JOSEF MICHEL
WEINGUT MICHEL, ACHKARREN/KAISERSTUHL

Herr Michel, der Jahrgang 2007 bekommt derzeit von der Fachpresse wieder jede Menge Vorschuss-Lorbeeren. In Ihren Augen gerechtfertigt? Wie haben Sie den Jahrgang erlebt?

Nun, 2007 gehört für mich ohne Zweifel zu den besten Jahrgängen der laufenden Dekade. Betörend in der Frucht, animierend in der Säure und das ganze mit moderaten Alkholgehalten.  Trinkfreude pur.

Sie produzieren auf Ihrem Weingut in Achkarren am Kaiserstuhl zum größten Teil weiße und rote Burgunder-Weine. Alle Welt spricht derzeit vom großen Riesling-Boom. Wo liegt Ihrer Meinung nach das große Potenzial Kaiserstühler Burgunder und wie überzeugen Sie eingefleischte Riesling-Fans davon?

Da ich selber gerne Riesling trinke gönne ich jedem sein Möselchen ( Rheingauer etc.). Es gibt aber eine Menge Tage im Jahr da muss es einfach ein Burgunder sein. Gerade mit dem Weißburgunder haben wir auch eine Sorte die vergleichbar dem Riesling  in der Lage ist Kraft und Eleganz zu balancieren.

Bei der Produktion guter Burgunder werfen die meisten Produzenten den Blick ins französische Anbaugebiet Bourgogne. Hier sind die großen Vorbilder zu finden. Auch für Sie?

95 % meiner Fläche ist mit Burgundern bestockt. Da liegt es nahe sich auch mit dem Bourgogne -Gebiet aueinanderzusetzen. Dazu gehört dann natürlich auch ehrfürchtig die Weinberge berühmter Winzer in Augenschein zu nehmen.  Aber letztlich steht jede Region für sich und muß ein eigenständiges Profil entwickeln . Es wäre auch ein armes Winzerleben wenn man ein Leben lang versuchen müsste etwas zu kopieren.

Was begeistert Sie an der Rebsorte Pinot Noir (Spätburgunder) so sehr?

Im Weinberg und im Keller wird der Spätburgunder ja gerne als Diva bezeichnet.  Ein paar Tage zu früh gelesen, quittiert er unerbittlich mit unreifen grünen Noten. Komme ich  4-5 Tage nach dem optimalen Lesezeitpunkt kippt die Aromatik bereits in eine marmeladige, überreife Richtung. Ähnlich diffizil gestaltet sich der Ausbau im Holzfass. Der Weg zu einem grossen Pinot Noir ist für einen Winzer lang und steinig.  Vermutlich ist es das was mich für diese Sorte so einnimmt.

Viele Winzer sind heutzutage im Keller mit neuester High-Tec ausgestattet. Möglichkeiten, die Qualität des Weines zu beeinflussen gibt es ja genug. Wie stehen Sie persönlich zum Einsatz von zuviel Technik im Keller?

Technik ist da gut wo sie den Kellermeister entlastet (Sortierband, Weinpressen, Gärführung, etc).  Was ich kategorisch ablehne ist der Versuch mittels Technik Qualität vorzugaukeln.

Mir ist aufgefallen, dass viele Ihrer Winzer-Kollegen mit internationalen Rebsorten experimentieren. Sie hingegen bleiben den traditionellen Sorten treu. Wie stehen Sie dazu, Cabernet & Co. am Kaiserstuhl zu pflanzen?

In der Tat konzentriere ich mich auf die Burgundersorten. Ich bin überzeugt das wir insbesondere am Kaiserstuhl noch einige Jahrzehnte für diese Rebsorten prädestiniert sind und Qualitäten auf einem Top-Niveau erzeugen können.  Es gibt genügend durchschnittlichen Cabernet Sauvignon auf dieser Welt, da muss ich nicht noch eine Flasche dazustellen.

Bei Reisen durch Italien und Spanien habe ich von vielen Winzern gehört, dass Sie langsam aber sicher mit der Klimaerwärmung zu kämpfen haben. Weine mit einem Alkoholgehalt von 15% sind keine Seltenheit mehr. Haben Sie am Kaiserstuhl ebenfalls mit diesem Problem zu Kämpfen?

An diesem Punkt sind wir der Natur ein Stück weit ausgeliefert.  Wir versuchen zwar mit Hilfe der Bewässerung unsere Reben vital zu halten, das sich in einzelnen extremen Jahren die Alkoholgehalte  im Schnitt erhöhen werden, können wir aber nicht verhindern.

Ein weiteres Diskussions-Thema in der Welt des Weines ist der Flaschenverschluss. Haben Sie diesbezüglich für Ihren Betrieb schon eine langfristige Entscheidung getroffen?

Ich verwende derzeit ausschließlich Naturkork und versuche diesen auch hochwertig einzukaufen. Ich kann mir aber vorstellen mittelfristig auch Alternativverschlüsse zu verwenden.

Sie sind ein Genuss-Mensch und mit Sicherheit viel in der Gastronomie unterwegs. Erzählen Sie uns welchen Restaurant-Besuch Sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt hat?

Wo fang ich an, wo hör ich auf.  Ein Highlight möchte ich aber doch herausgreifen auch wenn es leider schon etwas länger her ist. Das Bareiss in Baiersbronn lässt wirklich keine Wünsche offen.

Mit welchem Essen kann man Ihnen eine sehr große Freude machen, und was trinken Sie am liebsten dazu?

Fisch in (fast) allen Varianten und dazu einen weißen Burgunder.

Können Sie sich an den Wein erinnern, der Sie in den letzten Monaten oder sogar Jahren am meisten fasziniert hat? Warum hat sich dieses Weinerlebnis, so in Ihrem Gedächtnis verankert?

Vor Monaten hatte ich Gelegenheit einen 64er Nuits St. Georges Premier Cru von Faiveley zu verkosten. Ein Wein ohnehin nur in einer halben Flasche gefüllt  hatte beträchtlichen Schwund und die Verkostungsrunde war vor dem Öffnen der Flasche eigentlich sicher das der Wein nur noch mäßigen Genuß bieten kann. Was für eine Überraschung als wir dann diesen mehr als 40 Jahre alten Wein im Glas hatten. Was für eine Finesse ! Was für ein Ausdruck !

Herr Michel, herzlichen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg!