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INTERVIEW EVA CLÜSSERATH
WEINGUT ANSGAR CLÜSSERATH, TRITTENHEIM/MOSEL
Frau Clüsserath, seit rund 7 Jahren sind Sie im elterlichen Betrieb für die Qualität der Weine verantwortlich. Was waren rückblickend die wichtigsten Veränderungen, die Sie in den Weinbergen und im Keller verändert haben?
In einem kleinen Familienbetrieb wie dem unseren geschehen solche Veränderungen natürlich immer in enger Abstimmung. Ich denke die wichtigsten „Bausteine“, die wir verändert haben
waren im Weinberg die Reduzierung der Erträge und eine Intensivierung der Laubarbeiten im Sommer um eine bessere Durchlüftung zu erreichen. Im Keller ist die Veränderung eher eine Art
„Rückbesinnung“ auf traditionelle Vinifikation, d.h. ich versuche so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen.
Beschreiben Sie die Besonderheit des Anbaugebiets Mosel. Wo liegt für Sie persönlich die größte
Motivation, durch viel Engagement und Einsatz in dieser Region erstklassige Weine zu produzieren?
Die Mosel ist ein Anbaugebiet mit einzigartigen geologischen Beschaffenheiten. Die Landschaft ist extrem durch die steilen Weinberge geprägt, das Zusammenspiel von Flusstal und steilen
Hängen mit Schieferböden für mich das perfekte Terroir für großartige, mineralische Rieslingweine.
Im Zusammenhang mit Ihrem Weingut fällt immer wieder der Begriff der spontanen Vergärung.
Wo liegt für Sie der besondere Reiz die Moste ausschließlich mit weinbergseigenen Hefen zu vergären? Und wo liegen die größten Risiken?
Zur Zeit ist das Thema Spontangärung ja in aller Munde. Für mich ist es keine „Glaubensfrage“, es gibt sehr viele hervorragende Weine, die mit Reinzuchthefen vergoren sind. Trotzdem war es
für mich, nachdem ich anfangs beide Methoden parallel ausprobiert habe, ganz klar, dass wir in Zukunft nur noch mit den eigenen Hefen vergären werden. Ich denke es bringt den Weinen noch
mehr Authentizität, da während der Gärung nachweislich andere Nebenprodukte entstehen, die eine andere Aromenausprägung bringen als bei der Vergärung mit Reinzuchthefen. Außerdem
bleiben spontan vergorene Weine sehr lange frisch. Das größte Risiko liegt darin, dass die Weine langsamer gären bzw. manchmal nicht soweit gären bis sie ganz trocken werden. Da die Weine
von der Mosel aber auch etwas Restsüße sehr gut vertragen, ist das für mich kein allzu großes Risiko.
Für mich spielt stets die Kombination guter Weine mit gutem Essen eine ausschlaggebende Rolle. Welcher Küchenstil korrespondiert Ihrer Meinung nach besonders zu Ihren Weinen und mit
welchem Gericht kann man Ihnen eine besondere Freude machen?
Das ist eine schwierige Frage, da wir auch mit unseren Rieslingen eine gewisse Vielfalt bieten. Zu
den Rieslingen mit etwas Restsüße passen asiatische Gerichte sehr gut, z.B. hatten wir vor kurzem eine scharfe Curry-Kokos-Suppe zu einem restsüßen Kabinett und es war eine perfekte
Kombination. Tendenziell harmonieren unsere Rieslinge sehr gut mit leichterer Küche, z.B. Fischgerichten. Ich habe kein spezielles Gericht, dass ich als mein Lieblingsgericht bezeichnen
würde, große Freude macht mir gutes Essen, dass mit Liebe gemacht ist.
Deutsche Weine, im speziellen der Riesling, erleben im Moment ein weltweit enormes Feedback.
Wo sehen Sie die Ursache für diesen großen Erfolg? Und wie kann man diesen auch langfristig konservieren?
Ich denke ein großer Faktor ist die Eleganz, Filigranität und Leichtigkeit kombiniert mit viel
Geschmack und Mineralität , die so wohl nur der Riesling bietet. Mir fällt in letzter Zeit immer öfter auf, wie Kunden sich über niedrige Alkoholgehalte im Wein freuen. Außerdem gab es in der
deutschen Winzerszene in den letzten Jahren ein gewisses Umdenken, gerade in der jungen Generation, es gibt so viele junge Winzer die viel Engagement in die Qualität stecken, das bringt uns alle weiter.
Viele Ihrer Kollegen setzen im Moment auf den praktischen Drehverschluss. Das Thema wird
bereits seit Jahren in der Weinszene diskutiert. Wie stehen Sie dazu und welches ist Ihrer Meinung nach diejenige Verschlussart, die sich durchsetzen wird?
Wir verschließen die meisten unserer Weine noch mit dem Naturkork und legen bei deren
Einkauf großen Wert auf Qualität. Einige Weinen, wie z.B. dem „Vom Schiefer“ Riesling trocken haben wir seit dem Jahrgang 2005 auch mit dem Drehverschluß abgefüllt und bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.
Mit der Rebsorte Riesling beschäftigen Sie sich regionsbedingt sehr intensiv. Sehen Sie mittelfristig
für andere Rebsorten ein ähnlich großes Potenzial an der Mosel?
Ich denke Potenzial gibt es bestimmt, wenn man dafür die besten Weinberge „opfert“. Ich habe vor, beim Riesling zu bleiben.
Bei diversen Weinproben haben Sie sicherlich hin und wieder die Möglichkeit ganz große und besondere Weine zu verkosten. Gibt es einen Wein, von dem Sie derartig beeindruckt waren, dass
Sie noch bis heute davon schwärmen?
Mein Mann und ich trinken fast jeden Tag Wein und selten unsere eigenen. Es gibt viele sehr
beeindruckende Weine, neben großartigen Rieslingen, besonders wenn sie toll gereift sind, freue ich mich auch immer über feine Pinot noirs aus dem Burgund.
Wo würden Sie Ihren Betrieb bzw. das Anbaugebiet Mosel in 10-15 Jahren gerne stehen sehen?
Wir werden ganz sicher immer weiter an der Qualitätsschraube drehen und ich hoffe das wir dies
erfolgreich meistern. Für das Anbaugebiet Mosel wünsche ich mir viele junge Winzer, die sich auf die Stärken der Mosel besinnen und gemeinsam an der weiteren Etablierung der Moselweine arbeiten.
Herzlichen Dank, dass Sie sich für´s Interview Zeit genommen haben. Weiterhin viel Erfolg mit Ihren wunderbaren Weinen!
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