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INTERVIEW MIT ELISABETTA FORADORI

Elisabetta, der erste Jahrgang Deiner neuen Amphoren-Weine wurde im Frühjahr 2011 präsentiert
. Welche Erkenntnisse liefern Dir die Weine und welche Resonanz bekommst Du von den Fachjournalisten und Weinfreunden?
Mit Amphoren zu arbeiten ist etwas ganz besonderes. Die Amphore ist ein Behälter aus Lehm, der dem Wein eine ganz besondere Dynamik verleiht. Dank der Oxigenierung durch die Pooren
der Amphore und aufgrund des fehlenden Holzeinflusses widerspiegeln die Weine die Reinheit der Frucht und die Klarheit der einzelnen Lagen. Weine aus der Amphore sind die reinsten Ausdrücke
unserer Böden und Mikroklimata. Die Resonanz des Fachpublikums ist sehr positiv, Weinfreunde reagieren enthusiastisch die Nachfrage nach diesen Weinen ist enorm.
Wer als neutraler Konsument im Moment die Weinszene beobachtet, könnte den Eindruck
bekommen, als handle es sich beim Amphoren-Ausbau, und dem damit meist verbundenen biodynamischen Weinbau, um eine große Mode mit marketingtechnischem Hintergrund. Was war
Deine persönliche Motivation diesen sehr aufwendigen Weg einzuschlagen und wie entgegnest Du Kritikern dieser Methoden?
Weine aus der Amphore und Biodynamie sind zwei verschiedene Dinge. Die Amphore ist ein Behälter wie viele andere, er ermöglicht eine besondere Evolution des Weines. Die Amphore
wurde in der Antike als Behälter verwendet, um verschiedenste Nahrungsmittel zu konservieren, der Ausbau des Weines in der Amphore kennt hingegen zwei Traditionen: eine georgische und
eine spanische. Wein in der Amphore bedeutet für mich nicht Mode oder Marketing, Wein aus der Amphore stellt für mich den reinsten Ausdruck der Lagen und der Frucht dar .Die Amphore ist ein
Behälter der das Leben des Weinbergs und seine Vielfalt verstärkt zum Ausdruck bringt. Aufgrund der starken Differenzen der einzelnen Lagen, die nach 10 Jahre Biodynamik verstärkt
zum Ausdruck gekommen sind, habe ich beschlossen 2 Teroldego Lagen (Morei und Sgarzon) und unsere Nosiola in der Amphore auszubauen, um den Lagencharakter zu betonen.
Die Biodynamie ist die Anwendung der Anthroposophie auf die Landwirtschaft und ist in erster Linie als ganzheitliche agronomische Praxis zu betrachten. Biodynamie bedeutet für mich
Nachhaltigkeit und die Möglichkeit die Früchte der Erde in ihrer reinsten Form zu bearbeiten. Moden in der Weinwelt interessieren mich nicht: den Weg den ich in den letzen 25 Jahren
gegangen bin war fern von jeder Mode. Wäre ich den Moden gefolgt, so stünde kein einziger Teroldego Stock mehr in meinen Weinbergen, er wäre längst mit Cabernet oder Merlot ersetzt
worden. Die Biodynamie ist nichts als die logische Folge unserer Philosophie: nachdem durch massale Selektion die Vielfalt des Teroldegos wiederhergestellt worden ist, versuche ich mittels
der Biodynamie die Vielfalt im Boden wiedereinzufuehren um einen reinen Ausdruck der Weinberge hervorzuheben.
Kannst Du auch erläutern, wo die Schwierigkeiten und Risiken der biodynamischen
Bewirtschaftung liegen? Ist der immense Aufwand im Weinberg aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt befriedigend?
Die anfänglichen Schwierigkeiten, die die biodynamische Bewirtschaftung mit sich zu bringen schien, haben sich als Vorteile herausgestellt. Da wir im Weinberg nur Kupfer, Schwefel und
biodynamische Praeparate in kleinsten Mengen verwenden um "Schaedlinge" zu bekaempfen, haben die Weinberge ein erhöhtes Risiko an Schädlingsbefall. Für uns bedeutet dies absolute
Prävention und Präzision in der Pflege unserer Weinberge. Dies hat zu einer Sensibilisierung geführt. Wir müssen die Pflanze genauer beobachten um präzise bei Problemen eingreifen zu
können. Dadurch werden wir für die lebendigen Prozesse im Weinberg sensibilisiert. Wer hoch qualitativ im Weinberg arbeitet, erfährt durch die Umstellung auf Biodynamik keinen
Kostenanstieg, im Gegenteil die Kosten werden gesenkt: man verzichtet auf immer teurere Düngemittel und synthetische Pflanzenschutzmittel.
Wie haben Dich Menschen wie Rudolf Steiner, Maria Thun, Xavier Florin, Nicolas Joly, Francois
Bouchet oder Bize Leroy in Deiner heutigen Arbeit beeinflusst?
All die genannten Namen, insbesondere Rudolf Steiner und Francois Bouchet, haben mir notwendige Impulse gegeben. Allerdings gibt es für die biodynamische Bewirtschaftung kein
allgemeines Rezept. Problemlösungen finden wir in der Praxis durch beobachten und versuchen.
Seit 2002 steckst Du auch sehr viel Zeit und Energie in den Aufbau des Weinguts Ampeleia in der
Toskana. Welches Resümee ziehst Du nach nunmehr fast 10 Jahren?
Ampeleia bleibt für mich ein spannendes Projekt: nach 10 Jahren kann ich sagen, dass wir noch
einiges zu lernen haben. Rebsorten die anfangs ihr Potential nicht zeigten, haben einen Qualitätsboom erfahren, insbesondere Carignan. Mit dem Jahrgang 2009 haben wir einen
Qualitätsdurchbruch geschafft. Das Team arbeitet immer enger und immer besser zusammen, ich freue mich auf die nachsten 10 Jahre.
Dein Name steht im Grunde genommen als Synonym für den Teroldego. Viele Jahre hast Du für die
Qualität dieser im Trentino heimischen Rebsorte gekämpft und mit Deinen eigenen Weinen längst Geschichte geschrieben!! Wie hat sich aus Deiner Sicht in den letzten 20 Jahren die Gesamt
-Situation im Trentino entwickelt? Werden Rotwein aus Teroldego heute vom Konsumenten automatisch mit Qualität in Verbindung gebracht oder dominiert immer noch Masse statt Klasse?
Leider ist die Gesamtsituation im Trentino nach wie vor schlecht. Es hat sich kaum etwas getan und die Fehler, die in der Vergangenheit begangen worden sind, kommen immer stärker zum
Vorschein. Seit dem Jahre 2009 sind diese auch ökonomisch sichtbar (der Preis der Trauben ist gefallen, einige Genossenschaften haben den Konkurs angemeldet). Das System, das aus
riesigen Genossenschaften besteht, bleibt statisch: Masse kommt vor Klasse. Um etwas an diesem System zumindest im Kleinen zu ändern, habe ich zusammen mit anderen 11 Winzern
eine Gruppe gegründet: "I Dolomitici" wir versuchen die Qualität des Trentinos hervorzubringen.
Ich merke in meiner Vinothek, dass es immer noch deutlich mehr Aufwand bedarf, um elegante
und „leise“ Weine zu verkaufen. Der Großteil der Weintrinker bevorzugt „laute“ Rotweine mit extremer Konzentration, hohem Alkohol und fast überschäumender Fruchtfülle. Nun stehen Deine
Weine für Finesse, Tiefgründigkeit und Eleganz. Wie überzeugst Du Weintrinker vom feinen Stil Deiner Gewächse?
Der Teroldego widerspiegelt die Frische der Alpen, wie wenige andere Rotweinrebsorten im Alpenraum. Wir können Alkoholbomben aus klimatischen Gruenden nicht keltern und wollen dies
auch nicht. Wir wollen einen puren Ausdruck der Rebsorte, der Lagen und Klimata hervorbringen, der einzigartig ist. Viele Weine sind heutzutage immer homogener, alkoholreicher und fruchtiger.
Meiner Meinung nach ist es notwendig der Globalisierung des Weines entgegenzuwirken und dem Konsumenten Alternativen zu bieten, denn von „lauten“ Weinen haben sich viele schon sattgetrunken.
Ich habe Dich als einen äußerst sensiblen, feinfühligen und dennoch sehr visionären Menschen kennengelernt. Dein Charakter spiegelt sich eindeutig in Deinen Weinen wider! Was ist für Dich
wahrer Weingenuss?
Weingenuss ist die Liebe des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung.
Welcher Wein hat Dich in den letzten Monaten am meisten beeindruckt?
Palistori 2009 Tenuta di Valgiano
Guter Wein und gutes Essen gehören uneingeschränkt zusammen. Mit welcher Kombination kann man Dich immer wieder begeistern?
Kässe und eine Flasche Wein nach 8 Stunden wandern in den Bergen.
Elisabetta, ganz herzlichen Dank für das nette und sehr interessante Gespräch!
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