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Interview Elisabetta Foradori

Frau Foradori, derzeit haben Sie jede Menge um die Ohren. Ihr
Weingut in Mezzolombardo, Ihre vier Kinder und seit kurzer Zeit mit einem neuen Projekt in der Toskana. Wie bringen Sie dies alles unter einen Hut?
Ich bin nicht allein, ich habe gute Mitarbeiter. Das neue Weingut in der Toskana ist eine Gesellschaft mit zwei anderen Partnern. Die Familie verlangt natürlich auch viel Zeit, aber man kann sich
entsprechend gut organisieren.
Ich habe Anfang Mai Ihr Weingut im Trentino besucht und auch die
aktuellen Jahrgänge verkostet. Selten bekommt man derart individuelle Weine zu probieren. Begeistert hat mich vor allem die große Eleganz und Finesse Ihrer Weine. Wie beschreiben Sie selbst
die Qualität und den Charakter Ihrer Produkte?
Es sind wesentliche, essentielle Weine, die die Essenz einer Rebsorte, einer Gegend ausdrücken. Teroldego ergibt Weine von unglaublicher Eleganz und
Konzentration. Das Gebiet Trentino bedeutet Berge, frisches Klima, Felsen. Von dem Einklang und der Verschmelzung dieser Elemente bildet sich der Charakter meiner Weine.
Ab 2006 möchten Sie den kompletten Betrieb biodynamisch bewirtschaften. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt und was versprechen Sie sich von dieser Maßnahme?
Seit Jahren studiere ich die Theorie der Biodynamik und schon seit zwei Jahren bewirtschafte ich biodynamisch einen Teil des Weingutes. Mein Ziel ist durch einen gesunden und aktiven Boden,
durch den Respekt des Gleichgewichtes der Natur, den Charakter der Rebsorte noch besser ausdrücken zu können. Es handelt sich um einen gesunden und bewussten Weinbau. Dies tut der
Seele der Menschen, die es praktizieren und der Qualität des Endproduktes gut. Das ist mein einziges Ziel.
Mir fällt bei meinen Weinreisen immer wieder auf, dass in den meisten Regionen Italiens viele
Weine nach internationalem Stil vinifiziert werden. Die Weine wirken oft überladen, fett und zu holzlastig. Haben charakterstarke, individuelle Weine aus autochthonen Rebsorten überhaupt
langfristig gesehen eine Zukunft?
Man muss bei den autochthonen Rebsorten keine standardisierte Önologie einsetzen, sondern
eine geeignete Önologie, die die Sorte respektiert. Es ist sehr gefährlich generelle und banale Technik im Weinberg und im Keller einzusetzen.
Vor Kurzem haben Sie Ihren neuen Rotwein Ampeleia der Öffentlichkeit vorgestellt. Er stammt
von Ihrem neuen Weingut in der Toskana. Erzählen Sie mir ein wenig über diesen Betrieb, dessen Weinberge und den Wein. Welches Ziel verfolgen Sie dort?
Ampeleia wird eine Synergie von sieben Rebsorten darstellen, die Essenz des Mittelmeeres, der Ausdruck eines vielfältigen Gebietes.
Da ich in Deutschland selbst kurze Zeit im Weinbau gearbeitet habe und in dieser Zeit auch meine
Leidenschaft zu deutschen Weinen entdeckt habe, interessiert mich natürlich auch Ihre Meinung zu unseren Weinen. Was haben Sie für Erfahrungen mit Weinen aus deutschen Weinbauregionen gemacht?
Ich liebe Riesling über alles, es ist der größte Wein, den ich kenne. Ich liebe aber die wahren, echten Weine, ohne Bearbeitung und ich denke es gibt eine große Wiedergeburt auch in Deutschland.
Sie haben mit Sicherheit oft die Gelegenheit, Weine von Kollegen aus der ganzen Welt zu verkosten. Welcher Wein hat Sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt?
Ein Wein von der Rhone ! Der 2001er Gigondas « Les Haut de Montmiral » der Domaine Brusset
Eine kurze aber sehr wichtige Frage zum Schluss. Was bedeutet für Sie Genuss?
Genuss ist durch die Sinne die Materie zu genießen um dadurch auch ein spirituelles Wohlbefinden zu haben.
Herzlichen Dank für das nette Gespräch und weiterhin alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg!
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