Achim Jähnisch
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Interview
ACHIM JÄHNISCH

 

Achim JänischIm Markgräflerland, genauer gesagt in Kirchhofen, zwischen Staufen und Bad Krozingen hat der junge Winzer Achim Jähnisch die passenden Lagen gefunden um seine Wein – Philosophie umzusetzen. Der gebürtige Hesse hat hier ein kleines Weingut gepachtet und versucht vom ersten Tag an Quantitäten zu vinifizieren, die schon jetzt leicht mit der regionalen Spitze mithalten können.
Um Ihnen den Winzer Achim Jähnisch und seine erfolgreiche Arbeit ein wenig genauer vorzustellen sprach ich mit ihm bei meinem letzten Besuch:

Guten Tag Herr Jähnisch, Sie haben soeben Ihren zweiten Jahrgang in die Flasche gefüllt, sind also mit Ihrem Weingut noch in den Anfängen. Wo arbeiteten Sie bisher?

Meine Lehre zum Winzer machte ich bei Bernhard Huber in Malterdingen von 1992 – 1994, dort lernte ich die moderne Weinbereitung und internationale Stile kennen. Danach studierte ich von 1994 – 1998 an der Weinfachhochschule in Geisenheim. Anschließend absolvierte ich ein Praktikum in Californien im Napa Valley bei Stag´s Leap. Und seit 1999 betreibe ich hier in Kichhofen dieses kleine Weingut.

Beschreiben Sie doch ein wenig Ihr Weingut und Ihre Betriebsstruktur, wieviel Hektar bearbeiten Sie, welche Rebsorten werden angebaut, wie wird das Lesegut verarbeitet,...?

Zur Zeit bewirtschafte ich 2,7 Hektar Rebfläche, davon sind 0,6 Hektar Jungfelder. Die hauptsächlich angebauten Rebsorten sind die Burgunder, d.h. Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder. Dann habe ich eine wunderbare Lage in Staufen, die für den Riesling sehr geeignet ist. Außerdem werden noch 15% der regionstypischen Spezialität Gutedel kultiviert. Der Anbau findet meist auf Steillagen statt. Auch besteht ein Großteil der Felder aus sehr altem Rebbestand, was den Weinen eine gute Konzentration verleiht.
Das Traubengut wird bei uns im Herbst sehr schonend und vorsichtig verarbeitet. Gelese  Im Kellern werden die Trauben in kleinen Wannen damit das Eigengewicht die Trauben nicht beschädigen. Selbstverständlich ist es, dass nur stark selektioniertes Lesegut verwendet wird. Ohne Fördermaschinen wird die Ernte im Weingut transportiert. Und durch die sehr schonende Ganztraubenpressung werden weniger Phenole an den Most abgegeben. Dadurch wirken die fertigen Weine frischer und weisen klarere Fruchtaromen auf. Dies wird außerdem durch die kühle Vergärung der Moste unterstützt. Ich verwende auch keine Schönungsmittel und lasse die Weine sehr lange auf der Feinhefe liegen. Ich gönne meinen Weinen einfach ein wenig mehr Zeit, als viele meiner Kollegen.

Wie sind Sie mit dem doch nicht ganz einfachen Jahrgang 2000 zufrieden. Wo liegen die Stärken, und auf was mußte man besonders in diesem Jahr achten?

Generell sehe ich den Jahrgang 2000 als einen Guten an. Der Riesling ist bei uns deutlich stärker als der 1999er. Bei den Burgundersorten muß man noch eine Zeit abwarten wie sie sich auf der Flasche entwickeln. Das Potential könnte durchaus höher liegen als bei den 99ern. Die Voraussetzung für guten Wein war aber schärfste Selektion des Lesematerials. Beim Rotwein mussten ca. 60% auf den Boden geschnitten werden, deshalb haben wir leider davon nur eine sehr kleine Menge. Essigfaule Beeren sind für mich aber nicht verarbeitungswürdig !!

Wo sehen Sie in Zukunft Ihren Markt? Welche Ziele haben Sie?

Ganz klar im höheren Preissegment. Mit einem so kleine Weingut, wie ich es betreibe ist alles andere wirtschaftlich nicht sinnvoll. Ich bin allerdings auch der Meinung, daß Qualität beim Weintrinker klar auf dem Vormarsch ist. Die Leute die zu mir kommen suchen eben das Besondere, was sie eben im Supermarktregal nicht finden. Und dafür geben Sie gerne ein paar Mark mehr aus, wenn sie dafür gute Qualität bekommen. Die Resonanz die ich dabei auf meine Weine bekomme ermutigt mich auch stark mein Engagement in diese Richtung fortzusetzen. Wichtig ist mir vor allem, die Weinbereitung vom Rebschnitt bis zur Abfüllung zu überschauen und diesen ganzen Prozess selbst lenken zu können. Nur so kann ich die Weine erzeugen, an die ich selbst glaube.

Mit den Kunden bei Ihnen auf dem Weingut kommt man sicher oft in Fachgespräche, wie empfinden Sie als Winzer die Entwicklung und die Einstellung der Endverbraucher gegenüber dem Deutschen Wein?

Rundum sehr positiv, wirklich. Die Verbraucher bei mir sind sehr interessiert und offen für Erläuterungen und Erklärungen zu meinen Weinen und zur modernen Weinbereitung. Das ich selbst recht jung bin verstärkt dieses Interesse und die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen im deutschen Weinbau. Da hat auch gar nichts mit Patriotismus zu tun, wie das in Frankreich eher üblich ist, sondern die Menschen interessieren sich für die Produkte aus Ihrer Region und ihrem Land. Und es kommen nicht nur Jüngere zu mir, sondern grad auch die Älteren sind oft beeindruckt von neuem Schwung. Dabei besteht aber gleichzeitig Interesse nach den hier traditionellen Sorten wie zum Beispiel dem Gutedel, der in Deutschland fast nur im Markgräflerland angebaut wird, während ich nach bestimmten Modesorten wie Chardonnay von den Kunden aus fast gar nicht gefragt werde.

FOTO: Keller, Achim Jähnisch

Mir ist es in meiner Weinfachhandlung sehr wichtig, dass die von mir angebotenen Weinen sich auch perfekt zu Speisen kombinieren lassen. Wo sehen Sie der ideale, kulinarische Partner des Gutedels und des Novalis (Weißwein-Cuvée)?

Der Gutedel ist ein sehr bekömmlicher, milder Wein mit niedriger Säure und einem leichten Aroma. Er eignet sich, wie der kräftigere Novalis auch, als Sommerwein auf der Terrasse nur für sich, oder aber auch In der Kunstwerkstattzu leichtem Essen. Gerichte mit Geflügel oder zu einem guten gegrillten Fisch mit Knoblauch und frischen Kräutern. Persönlich fand ich den Gutedel immer zu Spargel besonders lecker. Der Novalis ist für mich der ideale Sommerwein, weil er ein sehr kräftiges blumiges Aroma hat und deshalb besonders kühl getrunken werden kann, ohne dass die Aromatik verloren geht.

Auch Sie nehmen sich im Frühjahr viel Zeit für Ihre Weine bevor sie auf die Flasche gezogen werden. Die Weine durchlaufen ein langes Hefelager und die meisten Weine werden nicht vor Juni gefüllt. Wo sehen Sie die Vorteile dieses Feinhefelagers für die Zukunft der Weine?

Für mich ist es sehr wichtig, dass die Weine Zeit zu Reife bekommen, d.h. ich mache sie nicht gleich nach der Gärung klar, indem ich sie früh filtriere und ihnen dadurch das Aroma nehme, sondern lasse sie sich selbst klären. Das ist auch kein Problem, wenn man nur gesundes Traubenmaterial verwendet. Bei diesem langen Klärprozess liegt der Wein längere Zeit auf der Feinhefe, sur lie heißt das in Frankreich. Dabei diffundieren Inhaltsstoffe aus der Hefe in den Wein und machen ihn fülliger und extraktreicher. Der Wein bekommt mehr mouthfeel wie die Amerikaner sagen. Dadurch erhält der Wein auch eine kräftigere Struktur. Sie benötigen auch etwas länger, um sich auf der Flasche zu entwickeln. Der gereifte Wein erhält aber ganz klar mehr Ausdruck und Typizität und das ist es, was heute gefragt ist.

Welche Weine bevorzugen Sie persönlich, wenn Sie sich einen guten Tropfen gönnen?

Generell bin ich froh um die ungeheure Vielfalt der Weine weltweit und es macht doch besonders Spaß, in eine neue Region zu kommen und zu sehen, was für Weine dort wachsen. Leider herrscht derzeit ein sehr gleichmacherischer Trend weltweit vor. Persönliche Vorbilder sind für mich ein wenig die Rotweine aus dem Burgund, da die Hauptrebsorte Spätburgunder in Baden nun mal aus dieser Region stammt. Des weiteren liebe ich besonders den Riesling und halte ihn für die interessanteste Weißweinsorte überhaupt, da seine Weine wie keine anderen die Eigenarten des Bodens auf dem er wächst widerspiegeln.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück und Erfolg für den neuen Jahrgang!